Turandot...

… ist die unverheiratete Prinzessin von China. All ihr Denken und Handeln wird beherrscht von der Erinnerung an die grausame Geschichte ihre Ahnfrau Lo-u-Ling vor einigen tausend Jahren: Lo-u-Ling herrschte über das chinesische Reich „in Stille und Freude“, ohne dabei von einem Mann beherrscht oder beeinflusst zu werden. Die Idylle zerbrach, als ein fremder Prinz gewaltsam zu ihr drang, die Herrscherin vergewaltigte, ermordete und das Reich an sich riss. Um auf ewig ohne Mann bleiben zu können, stellt Turandot jedem Bewerber drei als unlösbar geltende Rätsel. Wer nicht zu antworten weiß, verwirkt seinen Leben.

Viele Prinzen und Fürsten stellen sich den Rätseln, weil Turandot ihre unbeschreibliche Schönheit und ihre geheimnisvolle Aura einsetzt, um die Männer anzulocken, die ihr nicht gewachsen sind. Wie eine Spinne im Netz sitzt sie in ihrem Palast und wartet auf ihre Opfer, die von selbst kommen. Dabei ist sie stolz, würdevoll, erhaben und von großer Ausstrahlung. Sie weigert sich, sich dem Willen eines Mannes unterzuordnen und zur Erfüllungsgehilfin männlicher Machtvorstellungen zu werden. Sie erträumt ein Leben in weiblicher Autonomie.


Altoum...

… ist der Kaiser von China und Turandots Vater. Er leidet unter dem störrischen Eigensinn seiner Tochter, die sich stets seinem Willen widersetzt. Er ist schon sehr alt, kann aber nicht sterben, so lange er seine Herrschaft nicht gesichert weiß durch einen Mann an der Seite seiner Tochter. Die Vorstellungen seiner Tochter einer männerfreien Führung teilt er nicht. Allerdings kann er sich auch nur sehr schwer gegen seine Tochter behaupten.


Der unbekannte Prinz...

… heißt Calaf und stammt aus dem Reich der Tartaren. Das weiß aber außer seinen engsten Getreuen niemand. Er ist einer jener waghalsigen Männer, die beim ersten Anblick der Prinzessin Turandot ihrer Schönheit verfallen und sie erobern wollen. Die Aussicht, unter dem Schwert des Henkers zu landen, wenn er die Rätsel nicht lösen kann, schreckt ihn nicht ab. Er ist draufgängerisch und taub für guten Rat. Er will seinen Willen unbedingt durchsetzen – ist also genau der Typ Mann, den Turandot so sehr verabscheut und auf keinen Fall in ihre Nähe lassen will.


Timur...

… ist Calafs Vater. Einst war er König der Tartaren, wurde jedoch von seinem Thron vertrieben und von den Aufständischen geblendet. Blind und seines Reiches vertrieben streift er nun als armer Bettler durch die Welt auf der Suche nach seinem Sohn, der schon früher das Land verlassen hatte. Sein hartes Schicksal hat ihn bescheiden und demütig gemacht – außer seinem eigenen Leben ist ihm nichts geblieben. Um jeden Preis will er verhindern, seinen Sohn wieder zu verlieren, nachdem er ihn endlich wieder gefunden hat.


Liù...

… ist als einzige Dienerin ihrem Herrn Timur treu ergeben geblieben. Sie stützt ihn, führt ihn durch die Welt und ist zu seinen Augen geworden. Gemeinsam suchen sie seinen Sohn. Ihn liebt Liù schon seit dem weit zurückliegenden Tag, als Calaf sie einziges Mal angeschaut hat. Niemand außer ihr und Timur kennen den Namen des Prinzen. Sie ist Timur und dem Prinzen bedingungslos ergeben, selbstlos, aufopferungsvoll bis zur Selbstaufgabe, von sanftem Gemüt und dennoch furchtlos.



Die drei Minister...

… heißen Ping, Pang und Pong und sind fast wie Drillinge kaum voneinander zu unterscheiden. Sie verkünden Turandots Willen und führen ihn aus. Dabei sind sie skrupellos und manipulativ. Am Leid anderer Menschen haben sie Freude und fühlen sich als Regisseure in einem grausamen Schauspiel. Ihre persönlichen Ansichten zu allen Vorkommnissen halten sie meist verborgen und ziehen aus jeder Situation ihren Vorteil. Obwohl sie glauben, dass früher alles besser war, bereichern sie sich an den unerbittlichen Verhältnissen der Gegenweart. Heimlich träumen sie alle drei von einem ruhigen idyllischen Leben in ländlicher Abgeschiedenheit und stiller Zweisamkeit. Doch dies scheint ein für sie unerreichbarer Traum bleiben zu müssen.


Das Volk von China...

… ist wankelmütig, angsterfüllt und dennoch vergnügungssüchtig und sensationslüstern. Es ändert in Sekundenschnelle seine Meinung, will eben noch einen Prinzen enthauptet sehen, um im nächsten Moment sentimental zu werden und Gnade für ihn zu erflehen. Sie verehren und fürchten ihre Herrscher. Manchmal erproben sie aber den Aufstand und erleiden dann dessen brutale Niederschlagung. Das Volk schreit nach Blut und will doch nur eine selige Zukunft ohne Gewalt und Willkür.


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